Woher kommen die Flüchtlinge und wer sind sie?

Nach Angaben des Innenministeriums kamen in den ersten neun Monaten des Jahres 2015 knapp 600.000 Flüchtlinge nach Deutschland, rund 160.000 davon allein im September. Hauptherkunftsland der Flüchtlinge ist Syrien. Syrer stellen gegenwärtig etwa die Hälfte aller ankommenden Flüchtlinge.

Die Zuzüge vom Westbalkan sind in den letzten Wochen drastisch gesunken. In der letzten Augustwoche sind nur noch knapp 2600 Flüchtlinge von dort nach Deutschland gekommen, einen Monat zuvor waren es noch mehr als doppelt so viele.

Weltweit sind etwa genauso viele Frauen wie Männer auf der Flucht. Dennoch ist die Mehrheit der Flüchtlinge, die nach Europa kommen, männlich.

In Italien etwa kamen im vergangenen Jahr fast sieben Mal so viele Männer wie Frauen an. In Deutschland wurden im vergangen Jahr zwei Drittel aller Asylanträge von Männern gestellt; mehr als die Hälfte von ihnen war zwischen 18 und 35 Jahren.

Bei Flüchtlingen aus den Westbalkanstaaten war das Geschlechterverhältnis ausgeglichener.

Mehr als 70 Prozent der syrischen und somalischen Asylbewerber waren männlich, von den Flüchtlingen aus Eritrea waren es sogar knapp 80 Prozent.

Ungefähr ein Drittel aller Menschen, die im letzten Jahr erstmals einen Asylantrag in Deutschland stellten, waren Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

In der ersten Hälfte 2015 waren knapp 50.000 Asylerstbewerber unter 18. Jahre alt.

Im vergangenen Jahr waren unter den Asylantragstellern etwa 4500 minderjährige Flüchtlinge, die ohne Eltern oder andere enge Verwandte nach Deutschland kamen.

Ohne Eltern oder andere enge Verwandt aus Krisengebieten nach Deutschland geflohen sind im vergangenem Jahr laut Statistischem Bundesamt 11.600 minderjährige Kinder und Jugendliche. Sie werden von Jugendämtern betreut. Weniger als die Hälfte stellen aber einen Asylantrag.

Mehr Männer als Frauen

Warum, etwa aus Syrien, mehr Männer als Frauen und Kinder nach Europa fliehen, hat unterschiedliche Gründe. Viele Familien können nur Geld für die Flucht einer Person aufbringen. Oft wird dann der Mann ausgewählt, weil die Flucht für Frauen und Kinder noch mehr Risiken in sich trägt als für einen Mann. Frauen und Kinder bleiben häufig zunächst in Flüchtlingslagern in der Türkei oder im Libanon. Die Väter hoffen ihre Familien über die Regeln zum Familiennachzug auf sicherem Weg nachholen zu können, wenn sie als Flüchtling anerkannt worden sind.

Viele junge Männer fliehen auch aus Angst, zum Kriegsdienst eingezogen zu werden.

Bildung

Hinsichtlich des Bildungshintergrundes der Flüchtlingen gibt es keine statistischen Zahlen, lediglich eine Tendenz kann aufgrund von freiwilligen Angaben der Flüchtlinge festgestellt werden. Ein Sechstel der befragten Flüchtlinge an, gab an, eine Universität oder Fachhochschule besucht zu haben. Ein Viertel der Asylbewerber ging lediglich auf die Grundschule und rund acht Prozent erklärten, sie hätten nie eine Schule besucht.

Flüchtlinge aus Syrien haben durchschnittlich einen deutlich höheren Bildungsstand. Etwa ein Drittel besuchte eine Universität oder Fachhochschule. Ein Fünftel gab an, nur die Grundschule oder gar keine Schule besucht zu haben.