Warum kommen so viele Flüchtlinge nach Deutschland?

An sich müssen Flüchtlinge nach der geltenden EU-Rechtslage - der sogenannten Dublin-III-Verordnung - in dem Land ihren Asylantrag stellen, in dem sie zum ersten Mal EU- Boden betreten haben.

In der Praxis wird an Dublin-III gegenwärtig nicht festgehalten. Die meisten der in der EU schutzsuchenden Menschen kommen nach Deutschland. Ein Grund ist der, dass Staaten wie Griechenland und Italien überfordert sind und Flüchtlinge unregistriert weiter nach Norden ziehen lassen. Ungarn hingegen hat sich durch einen Grenzzaun zum Beobachter erklärt und tut so, als ginge dem Land die Flüchtlingsfrage nichts an.

Es gibt auch viele Flüchtlinge, die deshalb nach Deutschland wollen, weil sie hier Familienmitglieder haben, die in den vergangenen Jahren als Flüchtlinge hier Schutz gefunden haben. Zudem sind die Aufnahmebedingungen in Deutschland besser als in vielen anderen Ländern. Deutschland ist Europas führende Wirtschaftsnation, so dass viele Asylsuchende zudem hoffen, dass sie Arbeit und ein Leben jenseits der Armut finden.

Internet und Smartphones unterstützen die Flüchtlinge

Wahrheiten, Gerüchte, neue Fluchtrouten und Grenzzäune, all diese Informationen breiten sich unter Flüchtlingen mittels des Internets sehr schnell aus. Fluchtbewegungen verlaufen so viel strukturierter als noch vor wenigen Jahren. Smartphones sind für Flüchtlinge der wichtigste Gegenstand ihrer Reise – wenn sie sich die Anschaffung und den Betrieb leisten können. Die Smartphones bieten neben der Information auch Orientierung und ermöglichen den Kontakt zur Heimat.

In Syrien wurde Mitte 2015 bekannt, dass die deutschen Behörden Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland nicht mehr nach den Dublin-III-Regeln in andere EU-Länder zurückschicken, selbst wenn sie dort von den Behörden registriert wurden.

Die deutsche Bundeskanzlerin Kanzlerin wurde in Syrien zu einer Symbolfigur für diese menschenfreundliche Politik. In sozialen Netzwerken im Internet wurde sie von Syrern gefeiert, auf der Flucht trugen Flüchtlinge Schilder mit

einem Foto der Kanzlerin.

Anfang September 2015 hielten ungarische Behörden Flüchtlinge in Ungarn fest. Die Bundesregierung erklärte sich bereit, Menschen von dort aufzunehmen - Tausende Flüchtlinge gelangten mit Sonderzügen nach Deutschland.

Aus all dem entwickelte sich unter den Flüchtlingen ein Bild der offenen Tür nach Deutschland.

Die Bundesregierung versucht nun, dies richtig zu stellen. Sie führte beispielsweise an der Grenze zu Österreich Kontrollen ein und hat ein neues Asylgesetz verabschiedet, das Ende Oktober 2015 in Kraft getreten ist.